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1 Feb 2010

Publizieren, aber wo? Sportberichterstattung in allen Medienkanälen

Author: admin | Filed under: vorträge

Die diesjährige Vortragsreihe “Alles Buch 13″ zum Thema Disintermediation bot bisher in zahlreichen Vorträgen einen Einblick in die Auseinandersetzung der Buchverlage und des stationären Buchhandels mit dem „Wandel im Handel“. Über das Thema „Publizieren, aber wo? Sportberichterstattung in allen Medienkanälen“ zeigte Alexander Wagner, Redaktionsleiter von kicker.online, in seinem Vortrag nun auch die multimedialen Perspektiven eines Zeitschriftenverlags auf. Ein Bericht von Jacqueline Stumpf

Das Sportmagazin Kicker, mit Hauptsitz in Nürnberg, ist seit seiner Gründung 1920 eine der erfolgreichsten Sportzeitschriften Deutschlands. Mit wöchentlichen Berichten aus den Bereichen Fußball, Handball, Formel 1 und vielen mehr begeistert Kicker über 2,12 Millionen Leser in Deutschland. Doch auch die erfolgreichste Zeitschrift kann dem immer stärker wachsenden Druck der neuen Medien nicht entgehen. Die Kicker-Redaktion betrachtet diese steigende Nachfrage nach alternativen Medien jedoch nicht zwangsweise als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance den Kunden und Lesern mit vielfältigen Möglichkeiten entgegen zu kommen. Das Motto lautet „auf allen Kanälen“. Beim Betrachten der Bandbreite der zahlreichen Angebote des Sportmagazins wird das Engagement von Kicker in diesem Bereich deutlich. Das wöchentlich erscheinende Magazin wurde mit der Zeit durch verschiedene Sonderhefte, das Online-Portal kicker.online, das mobile Portal kicker.mobi sowie Video- und Audio-Podcasts erweitert und gestärkt.

Großen Wert legt die kicker.online-Redaktion vor allem auf die Onlinepräsenz ihrer Homepage. Über aktuelle News, Live-Ticker, ein interaktives Managerspiel und zahlreiche Foren und Communities können sich Sport- und Fussballbegeisterte rund um die Uhr mit Informationen zu ihren Lieblingsvereinen versorgen und sich mit anderen Fans austauschen. Das Konzept scheint mit Erfolg aufzugehen. 2009 konnte kicker.online den Marktführer sport1.de überholen und sich somit an die Spitze der deutschen Sportportale absetzen. Mit 1,79 Millionen Usern im Monat sowie rund 600.000 Teilnehmern am Managerspiel und täglich 6.000 neuen Forenbeiträgen war es Kicker möglich sich gegen die Konkurrenz durchsetzen. Dass das Motto „auf allen Kanälen“ beim Kunden anzukommen scheint, zeigen auch die Nutzungsüberschneidungen der regulären Leser und der Online-User. Eine Gesamtleserschaft im Printbereich mit 2,89 Millionen überschneidet sich mit den rund 2,31 Millionen Online-Nutzern; circa 740.000 Kunden bedienen sich beider Medienkanäle.

Die Strategie des Kickers hinter diesem breiten medialen Angebot ist die medienneutrale Datenhaltung. Eine gemeinsame Datenbank für die Print- und die gesonderte Online-Redaktion unter Leitung von Alexander Wagner generiert die Inhalte und stellt sie für alle Medienkanäle bereit. Wie bereits zuvor in Vorträgen unserer diesjährigen AllesBuch-Reihe gehört, legt die Disintermediation oft ein Wegfallen der so genannten „Middlemen“ zugrunde. Die Kicker-Redaktion verzichtet jedoch bewusst auf dieses „Wegfallen“ zugunsten von Qualität ihrer Texte und Informationen. Durch das Bemühen aller und die medienneutrale Datenhaltung beider Redaktionen wird keines der Mitglieder im Workflow entbehrlich.

Das multimediale Angebot des erfolgreichen Sportmagazins beschränkt sich nicht nur auf die Homepage. Seit März 2008 bietet kicker.tv in Kooperation mit Spiegel.tv und Spiegel.online täglich bis zu fünf Videobeiträge zu aktuellen Geschehnissen mit Spielberichterstattungen, Hintergrundinformationen und Expertenanalysen an. Die Downloadzahlen im November 2009 belegen, dass der Videocast mit rund 1,5 Millionen heruntergeladenen Videos im Monat und 40.000 Usern pro Woche positiv bei den Nutzern ankommt. Ein weiteres Angebot umfasst den Audio-Podcast, der in Zusammenarbeit mit der dpa, der Deutschen Presse Agentur, produziert wird. Allerdings weist dieses Format im direkten Vergleich mit dem Videocast einen eher geringen Erfolg auf. Dafür gewinnt das mobile Portal kicker.mobi immer mehr an Popularität. Mit dem Boom der sogenannten Smartphones steigt auch die Nachfrage nach entsprechenden Applikationen und Nutzungsmöglichkeiten. Live-Berichterstattungen und Hintergrundinformationen zu aktuellen Spielen über iPhone und Co. bringen ganz neue Möglichkeiten, sowohl für die Anbieter als auch für die Nutzer.

Um dieses breite Angebot an Medienformaten auch qualitativ hochwertig umsetzen zu können, stützt sich kicker.online auf diverse Kooperationen. Dies bringt nicht nur höhere Qualität der einzelnen Produkte, sondern auch eine Steigerung der Reichweite und eine stärker ausgeprägte Marktbekanntheit. Über die Kooperationen mit Spiegel.Online und der dpa hinaus arbeitet kicker.online auch mit dem Berliner Fenster, dem Newsservice der Berliner S-Bahnen zusammen. Und auch die Live- und Newsfeeds von Twitter und RSS werden in das multimediale Programm aufgenommen.

Trotz dieser ausgeprägten Konzentration „auf allen Kanälen“ schränkt sich die Kicker-Redaktion in manchen Bereichen dennoch ein. Die sogenannte SEO, die Suchmaschinenoptimierung wird vom Sportmagazin ganz bewusst nicht genutzt. Ziel der Suchmaschinenoptimierung ist es mit entsprechenden Keywords und HTML-Tags die speziell strukturierten Texte für Suchmaschinen attraktiver zu machen, oft zu Ungunsten der Texte selbst. In der Regel ist in diesem Bereich auch eine Zusammenarbeit mit Google unumgänglich. Kicker hat sich von dieser Möglichkeit vorsätzlich distanziert. Es wird mehr Wert auf Qualität und nicht Quantität gelegt. Der Nutzer steht im Mittelpunkt.

So zeigt sich im Fall der Sportzeitschrift Kicker und des Onlineportals kicker.online, dass uns durch das Internet unsagbar viele und vielfältige Möglichkeiten des Publizierens gegeben sind und auch, dass die Nachfrage nach eben diesen stetig steigt. Aber es wird auch deutlich, dass es nicht immer von Vorteil ist, sich auf die multimedialen Formate und Strategien ohne Bedacht zu stürzen. Es gilt: am Zahn der Zeit, gemäß dem Motto von kicker.online „auf allen Kanälen“ zu sein, aber nicht die Kunden und Leser sowie die Qualität des Produktes aus den Augen zu verlieren.

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