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24 Jan 2010

Im multimedialen Kinderzimmer

Author: admin | Filed under: vorträge

Verlage vor der Herausforderung eines veränderten Mediennutzungsverhaltens. Ein Kommentar von Julia Woitzik

Man hört das Muhen von Kühen, eine fröhliche Melodie, fast möchte man meinen, es handelt sich nicht um um den vorletzten Termin der diesjährigen Vortragsreihe Alles Buch XIII, sondern um einen Kindergeburtstag. Zu Gast ist Linda Ising, die Marketing- und Onlineleiterin des Tessloff Verlags aus Nürnberg, bekannt für die seit Jahrzehnten erfolgreiche „Was ist Was“-Reihe. Präsentiert wird ein Ausschnitt aus einem der Hörspiele für die kleineren Was-ist-Was Fans, nur die Spitze des Eisbergs der Was-ist-Was Produktpalette.

Passend zum Untertitel der Vortragsreihe „Wandel im Handel“ wird am Beispiel des Tessloff Verlags deutlich welche Veränderungen den Markt durchziehen und wie man sich diesen Wandel zu Nutzen macht.

Verlage, besonders Kinderbuchverlage, ständen im Augenblick vor einer großen Herausforderung, so Frau Ising. Das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen habe sich in den letzten Jahren drastisch und rasant verändert. Gab es früher nur Bücher und vielleicht noch das Fernsehen und Schallplatten bzw. Musikkassetten, so haben heutzutage Kinder die Wahl zwischen Büchern, Fernsehen, Audio- und audiovisuellen Medien, Konsolen, Handys, Computern und Internet.

Ein Verlag, der sich bisher auf den Verkauf von Sachbüchern für Kinder verlassen hat, muss also umdenken und sich den Gegebenheiten der Zeit und der sich verändernden Mediennutzung der kleinen Kunden anpassen. Aber obwohl die Auswahl größer ist, ist das Zeitbudget jedoch das gleiche geblieben und es entfällt also weniger Zeit auf jedes einzelne Medium, da im modernen Kinderzimmer alle Medien parallel genutzt werden.

Besonderer Wert wird bei Tessloff darauf gelegt, dass jedes Medium, das in der Produktpalette einen Platz hat optimal mit seinen Möglichkeiten die Unternehmensphilosophie unterstützt. Das Motto hierbei ist: „Neugierig bleiben“. Speziell auf die Was-ist-Was-Reihe bezogen bedeutet dies eine große Bandbreite an aktuellen Themen zu bieten, den Wissensdurst zu wecken und vor allem Wissen fundiert zu vermitteln, ohne dass der Spaß dabei zu kurz kommt.

So kann man von Was-ist-Was nicht nur die bekannte über Hundert Bände umfassende Buchreihe erwerben, sondern auch DVDs, Hörspiele, Quizblöcke, Heftchen, Spiele für den Nintendo DS es gibt eine Fernsehserie und auch die Internetseite wasistwas.de ist äußerst beliebt beim Zielpublikum, was Zugriffe und die stetige wachsende Zahl der Mitglieder beweisen.

Die Homepage tritt dabei quasi als Wikipedia für Kinder im Alter von 6-14 auf, da sie ca. 7000 Artikel der Was-ist-Was Redaktion umfasst und laut der Referentin von der Zielgruppe auch gerne als Informationsquelle für Referate etc. genutzt wird.

Um das Zielpublikum längerfristig an sich zu binden und alle Möglichkeiten des Online-Angebots zu nutzen wurde hierzu ein kostenfreier Online-Club eingerichtet, der wie eine abgespeckte Version von social community Websites wie facebook funktioniert und, was für den Erfolg der Plattform spricht, einen stetigen Anstieg der Mitgliederzahl verbuchen kann. Die jungen Nutzer werden außerdem aktiv ins Unternehmen eingebunden, indem über neue Themen, die aufgelegt werden sollen abgestimmt werden kann und auch Gewinnspiele veranstaltet werden.

In der veränderten Medienwelt ist besonders auch Intermedialität ein wichtiger Punkt, um die Position am Markt zu halten und Tessloff versucht hier viele Möglichkeiten auszuschöpfen, die die verschiedenen Medien miteinander verbinden und gleichzeitig das Wissen der Kinder vertiefen.

So soll ab diesem Jahr auf jedem Was-ist-Was Buch ein Hinweis auf den Internetauftritt gedruckt werden und die preisgünstigen Wissensschatz-Heftchen gehen noch einen Schritt weiter, indem sie Internet und gekauftes Heft direkt aufeinander abstimmen. So muss im Heftchen ein Rätsel gelöst, werden mit dessen Lösung daraufhin im Internet Extras und Zusatzmaterial zum Thema, wie Mal-vorlagen und Spiele freigeschaltet werden können.

Hierzu zählt auch die intensive Beschäftigung des Verlags mit Edutainment, also die Verbindung von Wissensvermittlung (Education) und Entertainment, die bei Tessloff in Form von einer Fernsehserie und Spielen für den Nintendo DS realisiert wird. Das Edutainment-Konzept wird vor allem beim Nintendospiel deutlich, das, so Frau Ising, wie ein klassisches Jump ‘n’ Run Spiel angelegt ist, gleichzeitig aber auch das Wissen zum gegebenen Thema kindgerecht vermittelt. Auch der multimediale Ansatz wird ausgeschöpft indem durch das Lösen von bestimmten Aufgaben im Internet Extras für das Spiel freigeschaltet werden können.

Die sehr vielfältige Produktpalette traf bei den Erlanger Studenten trotzdem nicht nur auf Zustimmung, auch wenn sehr wohl verstanden wurde, warum vor allem ein Kinderbuchverlag sich dem veränderten Mediennutzungsverhalten anpassen muss. Die Befürchtung wurde laut, dass Tessloff sich zu sehr auf die neuen Medien konzentriere und vergesse, dass das Hauptgeschäft als Verlag weiterhin bei den Büchern liegen sollte, auch angesichts der stärker werdenden Konkurrenz am Kindersachbuchmarkt. Allerdings erklärte Frau Ising auch, dass nicht jedes Thema sich als Buch eigne, andere jedoch sehr wohl, man sich des Problems aber durchaus bewusst sei, auch aufgrund des sich langsam ausgleichenden Umsatzes von Büchern und neuen Medien im Vergleich.

Auf die Frage, welche weiteren Entwicklungen zu erwarten seien wurden auch Smartphone-Applications erwähnt, da sich diese Art Handys bei Kindern großer Beliebtheit erfreue und auch schon eine Bibliothek an Apps für Kinder existiere, in die sich Tessloff mit Was-ist-Was gut einfügen würde.

Dass der Tessloff-Verlag modern denkt wurde während des Vortrags deutlich, jedoch bleibt dem Verlag zu wünschen, dass die ursprüngliche Buchreihe Was-ist-Was weiterhin Erfolge verbuchen kann und als Grundpfeiler des Verlags dient.

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