PaperC bietet eine bislang einzigartige Internetplattform zum Arbeiten mit Fachbüchern. PaperC, das sind Gründer und Geschäftsführer Felix Hofmann, zuständig für Strategie und Controlling, Mitgründer und Geschäftsführer Martin Fröhlich, zuständig für Verlagsakquise, Marketing und mediale Aufmerksamkeit, sowie Lukas Rieder, Leiter der IT-Abteilung. Zwei von ihnen, Felix Hofmann und Martin Fröhlich, referierten am 14.12.2009, dem vierten Vortrag innerhalb „Alles Buch 13“, über die Idee, die Umsetzung und das Potential ihrer Unternehmung, für die sie 2009 unter anderem mit dem AKEP Award und dem Titel „Start-up des Jahres 2009“ gekürt wurden. Ein Bericht von Michaela Winter
Die Idee zu PaperC entstand aus einer Not, die jedem Studenten bekannt ist: das möglichst schnelle, unproblematische und zugleich kostengünstige Beschaffen von Fachliteratur. Welcher Student kennt diese Situation nicht? Für das anstehende Referat oder die nächste Hausarbeit benötigt man dringend einen speziellen Titel, der in der Bibliothek mal wieder ausgeliehen oder gar nicht erhältlich ist. Die Alternative, das gewünschte Buch in der nächsten Buchhandlung zu kaufen, kommt auch nicht unbedingt in Frage. Schließlich ist es teuer, man braucht es später nur noch selten bis gar nicht mehr und außerdem benötigt man ja eigentlich eh nur bestimmte Auszüge des Buches und nicht gleich den ganzen Titel.
Mit Problemen dieser Art sah sich auch Gründer Felix Hofmann beim Schreiben seiner Diplomarbeit konfrontiert, währenddessen er zwischen Berlin und St. Gallen pendelte und die Literatur dabei regelmäßig von der einen Stadt in die andere schleppte. Inspiriert durch den Gedanken, dass sich das Arbeiten mit Fachbüchern im digitalen Zeitalter einfacher gestalten lassen müsse, gründete er daraufhin zusammen mit Martin Fröhlich den „virtuellen Copyshop“ PaperC.
Paper C ist eine Internetplattform, auf der registrierte Nutzer wissenschaftliche Fachbücher von kooperierenden Verlagen kostenfrei online lesen und eigene Notizen und Zitate innerhalb der Dokumente ablegen und verwalten können. Im Verlauf des Vortrags erzählten Martin Fröhlich und Felix Hofmann von den Anfängen von PaperC, der finanziellen Unterstützung durch das Erhalten eines mit 80.000 € dotierten Exist-Gründerstipendiums, einem bundesweiten Programm, das innovative Unternehmensgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Frühphase fördert, von der Testphase ihres Konzepts mittels 1500 ausgewählten Studenten und der Unterstützung durch Investoren bis zur Öffnung der Plattform im August 2009. Die Resonanz wuchs seitdem stetig. Mittlerweile, knapp vier Monate später, hat PaperC ca. 10.000 registrierte Nutzer mit einem Zuwachs von durchschnittlich 150 Neuanmeldungen pro Tag. Die Anzahl der angebotenen Titel, die ausschließlich nicht vergriffen und mehrheitlich wirtschaftswissenschaftlichen Charakters sind, liegt bereits bei über 1500, wobei PaperC nicht auf wirtschaftswissenschaftliche Inhalte fokussiert ist, sondern in der Zukunft eine Plattform für jegliche fachliterarische Inhalte bieten möchte.
Um mit PaperC arbeiten zu können, ist von Seiten der Nutzer eine Registrierung notwendig, für die außer einer gültigen E-Mail-Adresse keine persönlichen Angaben verlangt werden. Für die Nutzung des kompletten Angebots muss darüber hinaus eine bestimmte Gebühr gezahlt werden. Hierfür setzen die Gründer von PaperC auf das sogenannte Freemium-Geschäftsmodell, d.h. die Basisdienste der Plattform, das Recherchieren, das Zugreifen auf Metadaten und das Lesen der gewünschten Titel, werden gratis angeboten, für jegliche weitere Dienste wird ein Pauschalbetrag von 10 Cent pro bearbeitete Seite erhoben. Die weiteren Dienste umfassen unter anderem das Downloaden und Ausdrucken von Texten, das Anlegen und Verwalten von Markierungen, Notizen und Zitaten innerhalb ausgewählter Passagen, die Übertragbarkeit der Texte auf weitere Readergeräte und die Möglichkeit, eine eigene „Bibliothek“ zusammenzustellen, die alle bearbeiteten Seiten umfasst und auf die der Nutzer jederzeit zurückgreifen kann. Die Bezahlung selbst ist per Kreditkarte, Paypal und Bankeinzug via moneybookers.com möglich. Der Nutzer kann sein Guthaben dabei mit vorgegebenen, gestaffelten Beträgen individuell aufladen und die gewünschten Seiten in Höhe des bezahlten Guthabens bearbeiten.
Das Besondere an PaperC ist neben der Einzigartigkeit der Geschäftsidee das Profitieren sowohl der anbietenden als auch der nachfragenden Seite. Anders als bei kostenfreien Diensten im Internet, bei denen in der Regel lediglich die Nutzer einen finanziellen Vorteil haben, oder gar dem illegalen Downloaden von digital vorliegenden Texten, werden bei PaperC die kooperierenden Verlage direkt an den Einnahmen beteiligt, und das mit knapp 5 Cent pro Seite wesentlich höher als es bei Kopien im Copyshop der Fall ist, bei dem die Urheber nur Kleinstbeträge erhalten, die die VG Wort gegenüber den Kopiergerätbesitzern erhebt. Die Verlage erhalten durch die Kooperation die Möglichkeit, mit ihren Titeln Geld im Internet zu verdienen und profitieren somit von einem auch für sie sinnvollen Paid-Content-Modell. Da alle kooperierenden Verlage ihre Publikationen eigens für die Plattform freigegeben haben, hat PaperC außerdem keine Copyright-Probleme. Ebenso konnten Komplikationen mit der Buchpreisbindung umgangen werden, da das Angebot der Bearbeitung und des Ausdruckens bestimmter Seiten gegen Bezahlung nicht als Verkauf von Bücher reproduzierenden oder substituierenden Versionen angesehen wird.
Ein weiterer Aspekt von PaperC ist darüber hinaus das Einbeziehen der Nutzer in die Vorgänge. Mehrmals während des Vortrags betonten Felix Hofmann und Martin Fröhlich, wie wichtig der Austausch mit den Nutzern für die Entwicklung eines erfolgreichen und innovativen Konzepts sei und dass PaperC bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Internetplattform stets von der Benutzerperspektive ausging und ausgehen wird. So steht PaperC in ständigem Kontakt mit den Nutzern und stellt beispielsweise ein Feedbackforum auf der Internetseite zur Verfügung, in dem die Nutzer Empfehlungen zu Verbesserungen und Titelvorschläge von Büchern, die sie gerne mit PaperC nutzen würden, hinterlassen können. Auch während der Diskussionsrunde, die sich an den Vortrag anschloss, stellten die beiden Referenten dem Auditorium die Frage, was es denn für Verbesserungsanregungen von Seiten der Studenten bezüglich PaperC gäbe und zeigten sich sehr daran interessiert, deren Vorschläge für die Zukunft so weit wie möglich in Betracht zu ziehen und umzusetzen.
Um PaperC auch in Zukunft attraktiv gestalten zu können kündigten Martin Fröhlich und Felix Hofmann bereits für das nächste Jahr einige Erneuerungen der Plattform an. Unter anderem wird der Internetauftritt ab 2010 anstatt wie bisher ausschließlich auf deutscher auch auf englischer Sprache zur Verfügung stehen. Desweiteren ist die verstärkte Aufnahme fremdsprachiger Literatur in den „Bücherkatalog“ geplant, wofür bereits Verhandlungen mit ausländischen Verlagen laufen. Zusätzlich sind zahlreiche Kooperationen mit weiteren inländischen Vertragspartnern wie z.B. C.H. Beck, Springer, dem Fraunhofer Institut, der TU Berlin und der LMU München in Verhandlung. Eine weitere geplante Erneuerung betrifft die Verfügbarkeit der digital vorliegenden Bücher in der Druckversion. Print-on-Demand soll ab 2010 mit Hilfe verschiedener Druckdienstleister sehr schnell, wenn möglich innerhalb 24 Stunden, abgewickelt werden können.
Abschließend bleibt zu sagen, dass PaperC im Zeitalter des digitalen Publizierens eine enorme Arbeitserleichterung darstellt und auch für die Verlage durchaus interessante Perspektiven bietet. Vor allem für die nächsten Jahre, wenn der Katalog der auf der Internetplattform verfügbaren Bücher weiter angewachsen sein wird und auch das Interesse von außen noch größer geworden ist, wird PaperC ein unglaubliches Potential für das Arbeiten mit Fachbüchern bergen.
Tags: alles uch, felix hofmann, Lukas Rieder, martin fröhlich, michaela Winter, paperc

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